Trotz Glücksspielstaatsvertrag fließen weiterhin 23 Prozent der Online-Einsätze in den Schwarzmarkt
Eden Richter · Oct 6, 2026

Trotz Glücksspielstaatsvertrag fließen weiterhin 23 Prozent der Online-Einsätze in den Schwarzmarkt

Der 2021 in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag hat Online-Wetten und Casino-Spiele in Deutschland legalisiert, doch nach wie vor fließen etwa 23 Prozent aller Einsätze an nicht lizenzierte Offshore-Anbieter, während die regulierten Operator 77 Prozent des Marktes halten. Diese Kanalisierungsquote ergibt sich aus aktuellen Erhebungen, die den Anteil der Spieleraktivitäten im legalen Bereich messen und gleichzeitig die Persistenz des Schwarzmarkts dokumentieren. Der legale Umsatz erreichte im Vorjahr insgesamt 14,4 Milliarden Euro, was zeigt, dass der regulierte Sektor zwar gewachsen ist, aber regulatorische Lücken den illegalen Markt weiterhin stützen.
Entwicklung der Kanalisierungsquote seit 2021
Seit der Einführung des Staatsvertrags haben die Länder ein Lizenzsystem etabliert, das Anbietern erlaubt, unter Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder zu operieren, und dennoch zeigt eine von der GGL in Auftrag gegebene Panel-Umfrage aus dem Frühjahr 2026, dass der Anteil nicht lizenzierter Anbieter bei 22,97 Prozent der gemeldeten Verluste liegt. Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Spieler trotz verfügbarer legaler Optionen auf Plattformen ausweichen, die weder Steuern abführen noch Spielerschutzmaßnahmen umsetzen. Beobachter stellen fest, dass die Differenz zwischen legalem und illegalem Angebot vor allem auf strengere Werbebeschränkungen und Einzahlungslimits im regulierten Bereich zurückzuführen ist, während Offshore-Plattformen flexiblere Bedingungen bieten.
Ursachen für die anhaltende Schwarzmarktpräsenz
Regulatorische Lücken entstehen durch unterschiedliche Auslegungen des Staatsvertrags in den einzelnen Bundesländern, die zu ungleichen Durchsetzungspraktiken führen und es illegalen Anbietern erleichtern, deutsche Spieler zu erreichen. Daten der Branche zeigen, dass der Schwarzmarkt vor allem bei Sportwetten und Online-Casino-Spielen aktiv bleibt, weil technische Blockaden und Zahlungsverkehrskontrollen nicht flächendeckend greifen. In diesem Zusammenhang diskutieren die Länder derzeit mögliche Anpassungen des Vertrags, die vor der geplanten Evaluation Ende 2026 umgesetzt werden sollen, um die Kanalisierung weiter zu verbessern und den illegalen Anteil zu reduzieren.

Im Oktober 2026 laufen entsprechende Vorbereitungen auf Ministerebene, bei denen Vertreter der Länder konkrete Vorschläge für strengere Kontrollen und erweiterte Lizenzbedingungen erarbeiten. Diese Gespräche bauen auf der Erkenntnis auf, dass der legale Markt mit 14,4 Milliarden Euro Umsatz zwar substanziell ist, der verbleibende Anteil jedoch erhebliche Steuerausfälle und unkontrollierte Risiken für Spieler mit sich bringt. Experten der Regulierungsbehörden betonen, dass eine einheitlichere Umsetzung über Landesgrenzen hinweg notwendig ist, um die Attraktivität legaler Angebote zu erhöhen.
Auswirkungen auf den legalen Markt und zukünftige Maßnahmen
Die aktuelle Situation führt dazu, dass legale Anbieter mit einem Wettbewerbsnachteil konfrontiert sind, weil sie strenge Vorgaben zu Werbung, Einzahlungslimits und Spielsuchtprävention einhalten müssen, während illegale Plattformen diese Auflagen umgehen. Statistiken der GGL belegen, dass die 77-prozentige Kanalisierungsrate zwar einen Fortschritt gegenüber früheren Jahren darstellt, aber noch Potenzial für Verbesserungen besteht. Die Länder prüfen daher Optionen wie erweiterte Netzsperren, verbesserte Kooperation mit Zahlungsdienstleistern und angepasste Werberichtlinien, die vor der Ende-2026-Evaluation in Kraft treten könnten.
Studien zur Marktentwicklung zeigen, dass der legale Sektor durch gezielte Maßnahmen weiter gestärkt werden kann, ohne die Grundprinzipien des Spielerschutzes aufzugeben. Gleichzeitig wird der Dialog zwischen den Bundesländern intensiviert, um eine bundesweit kohärente Strategie gegen den Schwarzmarkt zu entwickeln. Diese Bemühungen zielen darauf ab, die bestehenden Lücken zu schließen und die Attraktivität regulierter Angebote für Spieler zu erhöhen.
Fazit
Die Entwicklung seit 2021 verdeutlicht, dass der Glücksspielstaatsvertrag zwar eine rechtliche Grundlage geschaffen hat, aber weitere Anpassungen erforderlich sind, um den Anteil des Schwarzmarkts dauerhaft zu senken. Mit der anstehenden Evaluation Ende 2026 stehen die Länder vor der Aufgabe, konkrete Reformen zu beschließen, die sowohl den legalen Markt stärken als auch illegale Aktivitäten wirksamer eindämmen. Die aktuellen Zahlen zu Umsatz und Kanalisierungsquote liefern dabei eine fundierte Basis für diese Entscheidungen.